20.07.2009
17:50
leipzig
deutschland
kleiner rückfall
ich lebe nicht nur „auf der spitze meines kugelschreibers“, wie gottfried benn es formuliert hätte, einer, den wir heute hochmütig einen „alten mann mit kugelschreiber“ nennen würden. ich lebe auch wirklich, ich schlafe, esse, lese, tanze, etc. seit 3 monaten aber lebe ich nebenher in einer welt, in der @ariztweet übers wetter dichtet, @prachtmaedchen in seinen projektleiter verliebt ist und @mutterhase die pubertät ihrer tochter beargwöhnt. in dieser meiner neuen märchenwelt kann @silenttiffy nachts nicht schlafen, @frauenfuß malt jeden follower, @mlle_amandier gibt die begabte rotzgöre, @frau_elise fragt, ob käsepaste empfehlenswert ist, der @vergraemer und herr @haekelschwein produzieren unaufhörlich geistreich-skurriles, @derfreitag hält mich auf dem laufenden, die @gebenedeite entzückt mich mit lakonischen einzeilern, @sibylleberg und @fiktionaere twittern literarische häppchen, @schmeichelbot macht komplimente, @tourettebot flucht, @joshvonstaudach zeigt uns seine fotos, @mspro rät mir rund ums web, @ennomane beantwortet fragen zu den piraten, @wimbauer hilft mir, wenn ich ein seltenes buch suche und @saschalobo teilt das meer.
es ist, als hätte ich, eine einzelgängerin und eigenbrötlerin, die auf jeden zornig ist, der auch nur wagt, anzurufen, plötzlich tag und nacht die bude voll. 140 menschen reden dort durcheinander. meist monologisieren sie, manchmal verstricken sie sich in gespräche. sie schildern ihre stimmungen, ihre reisen, ihre empörungen, ihre zyklen. neulich habe ich mich mit einer twitterin namens @puppiges spontan geprügelt. ich hatte soeben das wort „twitte“ erfunden und twitterte „ey du twitte“. @puppiges twitterte zurück „selber twitte“. so ergab eins das andere, @schlenzalot gab den ringrichter, und ich produzierte virtuelle twittermarmelade aus @puppiges. das war lustig, und die differenzfeministin @antjeschrupp musste hinterher einschätzen, ob virtuelle catfights sexistisch sind. dennoch hab ich die konversation stunden später gelöscht. es war situationskomik, ein augenblick, vorbei, verweht, nie wieder. ich konserviere einen moment, der sich einem neuleser, einem zurückleser, nicht erschließen würde, nicht im netz, nur im herz.
man soll auch nicht vom wege abgehen. wir wissen ja, wie es rotkäppchen erging. und wie hat es mich nur in diesen virtuellen märchenwald verschlagen? es fing ganz harmlos an. meine freundin aus new york mailte „hey, steve buscemi ist wieder besoffen.“ –„ach!“, schrieb ich, „woher weißt du?“ – „na, weil er das grad getwittert hat.“ ge-was? da fiel mir ein, ich hatte kurz vorher gelesen, dass thorsten schäfer-gümbel als erster deutscher politiker ein interview via twitter gegeben hatte. der wenig charismatische schäfer-gümbel ging noch hier rein da raus, aber wenn steve buscemi twitterte, dann wollte ich wissen was verdammt noch mal das ist.
ein asteroidenschlag! ein erdbeben! bereits nach wenigen twitter-tagen beschloß ich, mein internet-tagebuch nach neun jahren stillzulegen. ich wurde, wie viele twitter-neulinge, erst mal eine followerin von den üblichen, von obama, von david lynch, von stephen fry, von ashton kutcher, von @oprah und selbstredend von @steve_buscemi. der war unglaublich. er soff, er hurte rum, er provozierte, er fotografierte jedes sandwich, bevor er es aß, und einmal sogar sein quietsche-entchen. es war schon fast unheimlich. es war, als lebte er mit mir, tag und nacht. ich war ein bisschen verliebt. in kürzester zeit hatte buscemi 30 tausend followers. vielleicht waren die alle ein bisschen verliebt.
es war ein schwarzer tag, als sein fake-account aufflog. der mann war nicht steve buscemi, der war irgend jemand. was ging mich irgendjemandes quietsche-entchen an? für mich ging eine beziehung zuende. überdies war ich enttäuscht von obama pr-büro-links, von stephen frys angeblich literarischen texten, und david lynch, einer meiner top regisseure, verstörte mich regelrecht mit seinem verschwiemelten jürgen-fliege-ton.
eines tages folgte mir harald schmidt. das fand ich merkwürdig. es war zwar nicht ganz unmöglich, denn ich war zweimal zu gast in seiner show, damals, bei sat.1, aber twittern? na gut, vielleicht war @bonitotv jemand aus seiner redaktion. aber nein. auch dies war ein fake-account. reiner @calmund und @yokoono bedankten sich persönlich für mein folgen – mit einer standard-antwort zwar, aber immerhin. ich fand sie trotzdem irgendwann fad und kickte sie aus meiner timeline.
auf einen neu-twitterer stürmt sehr schnell sehr viel ein. erst findet eine art einbürgerungstest statt: lernt man selbstständig, was zu tun und zu lassen ist oder fragt an jemanden? was ist DM, was ist faven, was ist hashtag, was ist timeline? und wie ist die follow/unfollow-funktion zu managen? was hat das mit dem blocken auf sich, wie füllt man 140 zeichen, wie oft und, vor allem, womit?
ich wusste schnell, dass ich keine „mir ist so langweilig“ tweets schreiben wollte. auch, dass ich nicht vielen twitterern folgen wollte, weil das meine möglichkeiten als ein-mann-firma übersteigt. mein vorsatz war und ist, dass jeder meiner leser, und ich spreche von den lesern meiner bücher, jeder meine fernseh-zuschauer, es leicht haben würde, mich bei twitter zu finden und zu lesen. keine geheimsprache, kein verschwörerton, kein herrschaftswissen. just a place to be.
über twitter würde der fiktive zuschauer oder leser meine zeitungstexte finden, den termin meiner sendung erfahren, er würde wissen, wann lesungen sind, und ich würde aus meinen büchern zitieren. das wäre die pflicht. die kür bestünde in filmtipps, buchtipps, empfehlungen anderer twitterer und, sollte ein krümchen vom tisch des herrn fallen, hier und da ein bonmot. kurz: ich würde twitter inhaltlich und sprachlich auf meine bedürfnisse zuschneiden.
für mich funktionieren nur maßgeschneiderte lösungen. auch mit bloggersoftware von der stange bin ich nicht klargekommen. die twitter-familie hat mich gut aufgenommen. aber mein versuch, die zahl derer, denen ich folge, für überschaubar (140 scheint das maximum) und meine tweets „sauber“ zu halten, also täglich flüchtige gedanken, tagesaktuelle kommentare und replies zu löschen, führt zu kritik anderer twitterer. ein umstand, den ich bedauere, aber nicht leider ändern kann. ein beliebter kritikpunkt ist darüber hinaus der vorwurf, man wolle sich vermarkten.
was ist daran verwerflich? selbstverständlich will ich mich vermarkten. 1. weil das unabdingbar ist in meinem beruf, 2. weil ich das selbst – nach leidvollen erfahrungen mit fremdvermarktern – am besten kann und 3. weil sich jeder, der sich öffentlich äußert, vermarktet, manche gut, manche schlecht.
der mitschwingende twitter-tenor ist oft, wenn man schon mitspielt, dann richtig. man sollte sich revanchieren, also all denen folgen, die einen selbst verfolgen, und zwar möglichst für immer, so was wie ehe oder immobilienkauf. das lehne ich ab.
@stricktier hat mich heute beim „um-zu-twittern“ ertappt, und sie hat letzlich recht. für mich war twitter als idee weder eine kontaktbörse noch ein posiealbum. twitter ist work in progress. klar lerne ich menschen kennen, klar tausche mich aus, aber am ende des tages ziehe ich sehr wohl einen strich zwischen mir und dem „publikum“. andere verstehen twitter als politische plattform, als hobby, als beichtstuhl, als stammtisch. für mich ist twitter das eingangs zitierte leben auf der spitze meines kugelschreibers.
was nicht heißt, dass nicht auch meine stimmungen gelegentlich sichtbar sind. was nicht heißt, dass ich mich nicht für andere künste, konzepte und menschen interessiere. für originale wohlgemerkt, nicht für plagiate. menschen, die ich – in welchem bereich auch immer - für originale halte, habe ich bisher im deutschsprachigen twitterraum wenige gefunden, etwa 200, wenn ich es in zahlen schätzen soll. nur 140 davon kann ich leider folgen. aber ich switche hin und her. wen ich vermisse, dem folge ich wieder.
seit einigen tagen geht twitter – über den unbestreitbaren suchtfaktor hinaus - für mich auf die nächste ebene. es gibt twitterer, an die ich beginne, mich emotional zu binden, die meine stimmungen beeinflussen. das löst bei mir ein zwiespältiges gefühl aus. manchmal muss ich mich einen tag rausziehen. es gibt twitterer, die mich ermahnen, ich solle dies nicht tun, sondern jenes. allein dass ich zum beispiel nichts gegen @saschalobo einzuwenden habe, ist offenbar für manche aktuell ein ärgernis. denn er hat ja die bewegung verraten, indem er im vodafone-spot auftritt, er wird ein star (sauerei), er spielt sich angeblich als führer auf, obwohl ihn keiner gewählt hat, und zu allem überfluß hat er erfolg und verdient geld (nach „selbstvermarktung“ zwei weitere todsünden in deutschland – unsere helden sind gefälligst erfolglos, selbstlos und arm, alle sollen es gleich schlecht haben), und wer nicht für uns ist, ist gegen uns.
was also mache ich, die ich mich lebenslang nicht in gruppen einordnen konnte, an diesem erkenntnis-punkt? @stricktier empfiehlt, „wie wäre es damit, einfach "bei uns" zu bleiben, statt nach "denen da draußen" zu schauen?“ ein großmütiger vorschlag. ich würde gern dankend annehmen, aber ich verstehe die frage nicht. soll i aus meim hause raus? soll ich aus meim hause nit raus? einen schritt raus? lieber nit raus? hab ich die probezeit nicht bestanden?
nach knapp drei monaten ist die twitterei aus meinem täglichen leben nicht mehr wegzudenken. wie auch früher beim bloggen entscheide nur ich, welche themen ich wie behandele, mit wem ich mich worüber unterhalte, wem ich antworte, wen ich empfehle und wie lange welcher tweet stehen bleibt. wie auch beim bloggen ist nicht jeder von meiner art, mir das leben zurechtzuschneidern, begeistert.
auch im märchenwald gibt es grüppchenbildung, grabenkämpfe, eifersucht, rechtfertigungszwang. es ist genau wie draußen, nur eben kleiner. meine twitterkrise kann ich mit einer liedzeile von johnny dowd beenden: „i know what i know, i do what i do. you don’t like my coat? fuck you!“ oder fällt so ein schluß aus dem angedachten märchenrahmen? dann hab ich einen niedlicheren parat: ich hab ein knusperhäuschen in twitterhausen bezogen. und wenn ich nicht gestorben bin, dann lebe ich noch heute da.
es ist, als hätte ich, eine einzelgängerin und eigenbrötlerin, die auf jeden zornig ist, der auch nur wagt, anzurufen, plötzlich tag und nacht die bude voll. 140 menschen reden dort durcheinander. meist monologisieren sie, manchmal verstricken sie sich in gespräche. sie schildern ihre stimmungen, ihre reisen, ihre empörungen, ihre zyklen. neulich habe ich mich mit einer twitterin namens @puppiges spontan geprügelt. ich hatte soeben das wort „twitte“ erfunden und twitterte „ey du twitte“. @puppiges twitterte zurück „selber twitte“. so ergab eins das andere, @schlenzalot gab den ringrichter, und ich produzierte virtuelle twittermarmelade aus @puppiges. das war lustig, und die differenzfeministin @antjeschrupp musste hinterher einschätzen, ob virtuelle catfights sexistisch sind. dennoch hab ich die konversation stunden später gelöscht. es war situationskomik, ein augenblick, vorbei, verweht, nie wieder. ich konserviere einen moment, der sich einem neuleser, einem zurückleser, nicht erschließen würde, nicht im netz, nur im herz.
man soll auch nicht vom wege abgehen. wir wissen ja, wie es rotkäppchen erging. und wie hat es mich nur in diesen virtuellen märchenwald verschlagen? es fing ganz harmlos an. meine freundin aus new york mailte „hey, steve buscemi ist wieder besoffen.“ –„ach!“, schrieb ich, „woher weißt du?“ – „na, weil er das grad getwittert hat.“ ge-was? da fiel mir ein, ich hatte kurz vorher gelesen, dass thorsten schäfer-gümbel als erster deutscher politiker ein interview via twitter gegeben hatte. der wenig charismatische schäfer-gümbel ging noch hier rein da raus, aber wenn steve buscemi twitterte, dann wollte ich wissen was verdammt noch mal das ist.
ein asteroidenschlag! ein erdbeben! bereits nach wenigen twitter-tagen beschloß ich, mein internet-tagebuch nach neun jahren stillzulegen. ich wurde, wie viele twitter-neulinge, erst mal eine followerin von den üblichen, von obama, von david lynch, von stephen fry, von ashton kutcher, von @oprah und selbstredend von @steve_buscemi. der war unglaublich. er soff, er hurte rum, er provozierte, er fotografierte jedes sandwich, bevor er es aß, und einmal sogar sein quietsche-entchen. es war schon fast unheimlich. es war, als lebte er mit mir, tag und nacht. ich war ein bisschen verliebt. in kürzester zeit hatte buscemi 30 tausend followers. vielleicht waren die alle ein bisschen verliebt.
es war ein schwarzer tag, als sein fake-account aufflog. der mann war nicht steve buscemi, der war irgend jemand. was ging mich irgendjemandes quietsche-entchen an? für mich ging eine beziehung zuende. überdies war ich enttäuscht von obama pr-büro-links, von stephen frys angeblich literarischen texten, und david lynch, einer meiner top regisseure, verstörte mich regelrecht mit seinem verschwiemelten jürgen-fliege-ton.
eines tages folgte mir harald schmidt. das fand ich merkwürdig. es war zwar nicht ganz unmöglich, denn ich war zweimal zu gast in seiner show, damals, bei sat.1, aber twittern? na gut, vielleicht war @bonitotv jemand aus seiner redaktion. aber nein. auch dies war ein fake-account. reiner @calmund und @yokoono bedankten sich persönlich für mein folgen – mit einer standard-antwort zwar, aber immerhin. ich fand sie trotzdem irgendwann fad und kickte sie aus meiner timeline.
auf einen neu-twitterer stürmt sehr schnell sehr viel ein. erst findet eine art einbürgerungstest statt: lernt man selbstständig, was zu tun und zu lassen ist oder fragt an jemanden? was ist DM, was ist faven, was ist hashtag, was ist timeline? und wie ist die follow/unfollow-funktion zu managen? was hat das mit dem blocken auf sich, wie füllt man 140 zeichen, wie oft und, vor allem, womit?
ich wusste schnell, dass ich keine „mir ist so langweilig“ tweets schreiben wollte. auch, dass ich nicht vielen twitterern folgen wollte, weil das meine möglichkeiten als ein-mann-firma übersteigt. mein vorsatz war und ist, dass jeder meiner leser, und ich spreche von den lesern meiner bücher, jeder meine fernseh-zuschauer, es leicht haben würde, mich bei twitter zu finden und zu lesen. keine geheimsprache, kein verschwörerton, kein herrschaftswissen. just a place to be.
über twitter würde der fiktive zuschauer oder leser meine zeitungstexte finden, den termin meiner sendung erfahren, er würde wissen, wann lesungen sind, und ich würde aus meinen büchern zitieren. das wäre die pflicht. die kür bestünde in filmtipps, buchtipps, empfehlungen anderer twitterer und, sollte ein krümchen vom tisch des herrn fallen, hier und da ein bonmot. kurz: ich würde twitter inhaltlich und sprachlich auf meine bedürfnisse zuschneiden.
für mich funktionieren nur maßgeschneiderte lösungen. auch mit bloggersoftware von der stange bin ich nicht klargekommen. die twitter-familie hat mich gut aufgenommen. aber mein versuch, die zahl derer, denen ich folge, für überschaubar (140 scheint das maximum) und meine tweets „sauber“ zu halten, also täglich flüchtige gedanken, tagesaktuelle kommentare und replies zu löschen, führt zu kritik anderer twitterer. ein umstand, den ich bedauere, aber nicht leider ändern kann. ein beliebter kritikpunkt ist darüber hinaus der vorwurf, man wolle sich vermarkten.
was ist daran verwerflich? selbstverständlich will ich mich vermarkten. 1. weil das unabdingbar ist in meinem beruf, 2. weil ich das selbst – nach leidvollen erfahrungen mit fremdvermarktern – am besten kann und 3. weil sich jeder, der sich öffentlich äußert, vermarktet, manche gut, manche schlecht.
der mitschwingende twitter-tenor ist oft, wenn man schon mitspielt, dann richtig. man sollte sich revanchieren, also all denen folgen, die einen selbst verfolgen, und zwar möglichst für immer, so was wie ehe oder immobilienkauf. das lehne ich ab.
@stricktier hat mich heute beim „um-zu-twittern“ ertappt, und sie hat letzlich recht. für mich war twitter als idee weder eine kontaktbörse noch ein posiealbum. twitter ist work in progress. klar lerne ich menschen kennen, klar tausche mich aus, aber am ende des tages ziehe ich sehr wohl einen strich zwischen mir und dem „publikum“. andere verstehen twitter als politische plattform, als hobby, als beichtstuhl, als stammtisch. für mich ist twitter das eingangs zitierte leben auf der spitze meines kugelschreibers.
was nicht heißt, dass nicht auch meine stimmungen gelegentlich sichtbar sind. was nicht heißt, dass ich mich nicht für andere künste, konzepte und menschen interessiere. für originale wohlgemerkt, nicht für plagiate. menschen, die ich – in welchem bereich auch immer - für originale halte, habe ich bisher im deutschsprachigen twitterraum wenige gefunden, etwa 200, wenn ich es in zahlen schätzen soll. nur 140 davon kann ich leider folgen. aber ich switche hin und her. wen ich vermisse, dem folge ich wieder.
seit einigen tagen geht twitter – über den unbestreitbaren suchtfaktor hinaus - für mich auf die nächste ebene. es gibt twitterer, an die ich beginne, mich emotional zu binden, die meine stimmungen beeinflussen. das löst bei mir ein zwiespältiges gefühl aus. manchmal muss ich mich einen tag rausziehen. es gibt twitterer, die mich ermahnen, ich solle dies nicht tun, sondern jenes. allein dass ich zum beispiel nichts gegen @saschalobo einzuwenden habe, ist offenbar für manche aktuell ein ärgernis. denn er hat ja die bewegung verraten, indem er im vodafone-spot auftritt, er wird ein star (sauerei), er spielt sich angeblich als führer auf, obwohl ihn keiner gewählt hat, und zu allem überfluß hat er erfolg und verdient geld (nach „selbstvermarktung“ zwei weitere todsünden in deutschland – unsere helden sind gefälligst erfolglos, selbstlos und arm, alle sollen es gleich schlecht haben), und wer nicht für uns ist, ist gegen uns.
was also mache ich, die ich mich lebenslang nicht in gruppen einordnen konnte, an diesem erkenntnis-punkt? @stricktier empfiehlt, „wie wäre es damit, einfach "bei uns" zu bleiben, statt nach "denen da draußen" zu schauen?“ ein großmütiger vorschlag. ich würde gern dankend annehmen, aber ich verstehe die frage nicht. soll i aus meim hause raus? soll ich aus meim hause nit raus? einen schritt raus? lieber nit raus? hab ich die probezeit nicht bestanden?
nach knapp drei monaten ist die twitterei aus meinem täglichen leben nicht mehr wegzudenken. wie auch früher beim bloggen entscheide nur ich, welche themen ich wie behandele, mit wem ich mich worüber unterhalte, wem ich antworte, wen ich empfehle und wie lange welcher tweet stehen bleibt. wie auch beim bloggen ist nicht jeder von meiner art, mir das leben zurechtzuschneidern, begeistert.
auch im märchenwald gibt es grüppchenbildung, grabenkämpfe, eifersucht, rechtfertigungszwang. es ist genau wie draußen, nur eben kleiner. meine twitterkrise kann ich mit einer liedzeile von johnny dowd beenden: „i know what i know, i do what i do. you don’t like my coat? fuck you!“ oder fällt so ein schluß aus dem angedachten märchenrahmen? dann hab ich einen niedlicheren parat: ich hab ein knusperhäuschen in twitterhausen bezogen. und wenn ich nicht gestorben bin, dann lebe ich noch heute da.